Folgender Artikel wurde im Magazin TRAINING veröffentlicht. Finden Sie hier ein Interview mit Herrn Wolfgang Reis (Geschäftsführer biz.talk)

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Viele Menschen wollen in Zeiten von Kurzarbeit, Home-Office und Lockdown ihre Zeit produktiv nutzen und etwas Neues lernen. Fremdsprachen lernen steht hier ganz oben auf der Wunschliste. TRAiNiNG hat mit zwei Sprachinstituten über diesen Trend gesprochen.

Mehr Zeit, weniger Geld, mehr Förderungen

Der Lockdown bringt viele Neuerungen im Alltag und für viele Menschen vor allem eines: viel Zeit. Kurzarbeit, Home-Office und Ausgangsbeschränkungen führen oftmals dazu, dass man zwar weniger Geld, dafür aber mehr Zeit hat. Einige Menschen nutzen diese Zeit für Weiterbildung. Manches wird vom Unternehmen bezahlt, anderes privat. Einige Unternehmen nutzen dafür Förderungen, die in der betrieblich ruhigeren Zeit vom Bund oder den Ländern angeboten werden. Für Unternehmen bedeutet das kostengünstigere Weiterbildung für ihre Belegschaft.

Fremdsprachen lernen in Covid-Zeiten – aber wie?

Die meisten Mitarbeiter sind über dieses Angebot dankbar und nutzen die Chance zur Weiterbildung gerne. Ein häufiges Thema, das derzeit trainiert wird, sind Fremdsprachen. Und zwar in allerlei denkbaren Varianten:

  • Präsent (Berufliche Seminare dürfen auch in der Präsenzvariante stattfinden, sofern alle rechtlichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden)
  • Online: im Face-to-Face Live-Unterricht
  • Online: als Gruppentraining
  • Online: asynchron mittels Videos, Quiz, LernA-pps etc.

Alle Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, vor allem was die Themen Flexibilität, Preis und Qualität anbelangt. Welche Lernvariante für wen am besten geeignet ist, das ist natürlich  individuell. Selbst die extrem kostengünstigen oder teilweise sogar kostenlosen Sprachapps sind mitunter recht gut. Dennoch: Um als Manager sprachlich fit zu werden, ist ein persönliches Sprachtrainer1 unausweichlich, egal ob präsent oder virtuell. Nur so kann die Sprache gesprochen und somit wirklich nachhaltig gelernt werden.

TRAiNiNG hat bei Sprachinstituten nachgefragt, wie Mitarbeiter und Unternehmen den Lockdown bzw. die Lockdown-ähnlichen Phasen für die Sprachenweiterbildung nutzen können.

Wolfgang Reis (Geschäftsführer biz.talk): »Bis vor Beginn der Corona-Pandemie wurde von den meisten Unternehmen, aber auch den zu trainierenden Mitarbeitern, persönliches Training mit Präsenztraining gleichgesetzt. Natürlich gab es schon zuvor ein großes Angebot an Onlineschulungen im Sprachenbereich. Wer aber Wert auf Flexibilität und gezielte Förderung spezifischer Kompetenzen legte, holte sich Trainer ins Haus. Mit Beginn des ersten Lockdowns kam es folgerichtig zu einem großen Einbruch. Zwischenzeitlich jedoch haben Unternehmen gelernt, dass persönliches Training auch im Lockdown funktioniert und digitale Präsenz des Trainers absolut eine sinnvolle Alternative zu Präsenztrainings sind. Videokonferenzen in Kombination mit digitalen Trainingsplattformen sind völlig Corona-kompatibel und mit einem entsprechend didaktisch angepassten Konzept auch hoch effektiv.«

Warum jetzt Sprachen lernen?

Tatsächlich spricht vieles dafür, derzeit eine neue Sprache zu erlernen. Sprachenlernen hält das Hirn fit, bietet eine sinnvolle Beschäftigung und hat am Arbeitsmarkt einen hohen Wert. Forscher haben herausgefunden, dass das Erlernen von neuen Sprachen einer der besten Wege ist, um Erkrankungen wie Demenz in Schach zu halten. Personen, die mehr als eine Sprache aktiv verwenden, zeigen erkennbare Alzheimer-Symptome im Durchschnitt erst rund fünf Jahre später als Menschen, die nur eine Sprache verwenden. Natürlich sind Fremdsprachenkenntnisse immer von Vorteil, wenn wir wieder Urlaubsreisen antreten können. Sprachen lernen ist außerdem eine Aktivität, der man sehr gut von zu Hause aus nachgehen kann – das Online-Angebot der renommierten Institute ist enorm. Vieles, wie z. B. Vokabel lernen, geht alleine und mit wenig technischem Aufwand über Lern-Apps. Gerade für Personen, die Sprachen momentan mehr zum Spaß und zum Zeitvertreib lernen, bieten sich auch etwas »ausgefallenere« Sprachen an.

Die Weiterbildungsbudgets von Unternehmen in der aktuellen Krise

Fragt man HR-Abteilungen in Österreich derzeit über ihren Lernbedarf, hört man Unterschiedliches. Es reicht von »Wir haben alle nicht gesetzlich notwendigen Weiterbildungen gestoppt«, bis hin zu »Jetzt erst recht, um für ›die Zeit danach‹ bestens aufgestellt zu sein«. Bei näherer Betrachtung sind beide Meinungen nachvollziehbar. Wenn kein Geld da ist, fällt es schwer, in Weiterbildung zu investieren, andererseits sichern nur gut ausgebildete Mitarbeiter das Business von morgen.

Wolfgang Reis: »Wir rechnen nicht mit einer Explosion der Weiterbildungsbudgets im Jahr 2021. Nicht allgemein und nicht speziell für Sprachtrainings. Dafür sind die Unternehmen zu sehr mit anderen Themen beschäftigt. Weiterbildung hat die Eigenschaft, dass sie kurzfristig vergleichsweise niedrige Kosten und mittel- und langfristig sehr hohen Nutzen bringt. Das predigen wir stets, weil wir auch davon überzeugt sind. Dennoch werden Trainingsprogramme evaluiert und oft zeitlich nach hinten gestellt. Da sind Kosten natürlich ein Grund dafür, aber häufiger auch organisatorische Gründe. So kommt es vor, dass Personen, die Trainings organisieren sollten, in Kurzarbeit sind. Auch der Staat denkt wohl, dass Weiterbildung gerade jetzt wichtig ist, um nach der Krise wieder durchstarten zu können. Wir hätten uns aber bei den staatlichen Fördermaßnahmen durchaus noch stärkere Akzente erwartet, beispielsweise eine echte Verknüpfung der Kurzarbeit an Weiterbildung im Betrieb.«

Welche Kompetenzen brauchen Sprachentrainer in Zukunft, um das Wissen bestmöglich über die verschiedenen Kanäle zu trainieren?

Wolfgang Reis: »Es reicht für erfolgreiche Trainer auf keinen Fall, einfach so weiterzumachen wie bisher und statt ins Auto in ›Zoom‹ oder ›Teams‹ einzusteigen. Dass ein Trainer sich mit unterschiedlichen Conference-Tools auskennen muss und Lehrmaterialien professionell in digitaler Form anbieten muss, ist Basis. Interessante Aufbereitung der Unterlagen und motivatorischer Unterricht sind sowieso immer wichtig, in der digitalen Welt jedoch teils herausfordernder als in der analogen. Stichwort »didaktisch wertvoller On-Screen-Content«. Die Kür ist dann, sich vor dem Bildschirm richtig in Szene zu setzen. Da geht es um Dinge wie den richtigen Abstand zum Bildschirm, die korrekte Beleuchtung, Gestik etc. Auf den ersten Blick Kleinigkeiten, die aber vielleicht die Spreu vom Weizen trennen.«

Was beim Online-Sprachentraining noch ausgeprägter vorhanden sein muss, ist der Wille und die Motivation, die Sprache zu erlernen. Dafür müssen die Trainer sorgen, indem sie die Vorteile klar kommunizieren. Damit die Teilnehmer bei Live-Online-Trainings voll aufmerksam bleiben, bedarf es guter Trainer, die sich mit der Didaktik genauestens beschäftigt haben.

Fremdsprachenkenntnisse bei Online-Meetings besonders wichtig

Bei internationalen Konzernen werden die meisten (Online-)Meetings auf Englisch abgehalten, bzw. in der jeweiligen Konzernsprache. In der Kommunikation mit internationalen Kunden wird immer häufiger die Sprache der Kunden gesprochen. Daher sind Fremdsprachenkenntnisse hoch im Kurs. Gerade bei Online-Meetings, wo das »Reden mit Händen und Füßen« noch schwieriger ist, als bei einem persönlichen Treffen, ist es wichtig, Kenntnisse der Sprache zu haben. Als Vorbereitung zu einem Meeting in einer Fremdsprache empfiehlt es sich, die wichtigsten fachspezifischen Vokabeln nochmals zu wiederholen. Handelt es sich z. B. um ein Recruiting-Gespräch in einer Fremdsprache, sind Wörter wie »Arbeitszeit«, »Zeugnisse«, »Kollektivvertrag« und viele weitere Fachbegriffe zu kennen.

Wolfgang Reis: »Fremdsprachenkenntnisse sind bei virtuellen Meetings noch wichtiger als bei physischen Treffen. Ein großer Teil der nonverbalen Kommunikation fällt weg, umso wichtiger ist die verbale. Die Aussprache sollte sehr deutlich sein, da es zu Übertragungsschwierigkeiten kommen kann und die Feedbackschleifen weniger gut funktionieren. Es ist wichtig, dass präzise und fokussiert kommuniziert wird, da die Aufmerksamkeitsspanne geringer ist. Somit sind das Verwenden korrekter Begriffe und Vokabeln und ein flüssiges, selbstbewusstes Sprechen ganz entscheidend dafür, ob der Informationsinhalt beim Gegenüber auch ankommt. Fehler werden online weniger verziehen als in Präsenz.«

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