Industrie 4.0 ist allgegenwärtig. Produktionsprozesse in Fabriken des Jahres 2018 laufen völlig anders ab als noch im Jahr 2008. Die Prognose, dass wir 2028 schon wieder in einer ganz anderen Produktionswelt leben werden, ist nicht gewagt.

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Auch im Unterricht spielen sich Veränderungen ab, wenn auch das Tempo viel gemächlicher ist als in der Industrie. Die Digitalisierung ist auch Teil des Unterrichts in Schulen und Hochschulen. Das PISA-Musterland Finnland beginnt damit, im Rahmen von Schulversuchen die Handschrift abzuschaffen.

Es wird aber auch in der Wissensvermittlung analog zur Industrie von Bildung 4.0 gesprochen, wobei nicht jeder das Gleiche darunter versteht. Gemeinsam haben die meisten Definitionen, dass Digitalisierung und Automatisierung auch im Unterricht an Bedeutung gewinnen oder diesen sogar vollkommen steuern. Es seien Begriffe wie E- Learning, Blended Learning, Mobile Learning oder Social Blended Learning beispielhaft genannt.

Nur Materialien sind digitalisierbar, Lernen bleibt menschlich

Richtig im Unterricht eingesetzt, kann der Lernerfolg durch die Digitalisierung gesteigert werden und Lernen macht auf einmal mehr Spaß. Dabei muss aber ein großes Missverständnis ausgeräumt werden. Nicht Lernprozesse des menschlichen Gehirns sind digitalisierbar, sondern nur Lerninhalte wie Texte, Bilder oder Grafiken.

Es geht also im Bereich der Bildung nicht so wie in der Industrie um einen völligen Paradigmenwechsel. Lernen bleibt menschlich. Es geht „nur“ darum, Unterrichtsformen und -materialien dann digital abzubilden, wenn dies didaktisch sinnvoll ist. Im Mittelpunkt bleibt die Vermittlung von Wissen von Mensch zu Mensch.

Unternehmensplanspiele als innovative Bildungsmethode

Wer auf der Suche nach innovativen Bildungsmethoden ist, die die Möglichkeiten der neuen Technologien nutzen, wird am Konzept „Unternehmensplanspiele“ nicht vorbeikommen.

So geht ́s:

Die Teilnehmer am Unternehmensplanspiel übernehmen die Verantwortung von virtuellen, aber möglichst realen Unternehmen. In einem künstlich geschaffenen Universum stehen sie in Konkurrenz zu anderen Unternehmen, die meist ebenfalls von Spielteilnehmern gemanagt werden. Um die strategische Komponente entsprechend zu berücksichtigen, werden meist mehrere Runden gespielt. Nach jeder Runde erfolgt eine Simulation der Reaktion der Marktteilnehmer und eine Messung des Erfolgs der einzelnen Unternehmen (z. B. in Form der Berechnung eines neuen Aktienkurses).

Gründe für den Einsatz

Die American Management Association führt folgende Gründe als Hauptmotive für den Einsatz von Unternehmensplanspielen an:

  • Die Lernenden entwickeln mehr Interesse und Begeisterung.
  • Es entsteht eine bessere Übersicht über wesentliche Zusammenhänge.
  • Modelle, Begriffe und Theorien lassen sich besser veranschaulichen.
  • Die Teilnehmer können Ursachen von Erfolg und Misserfolg besser verstehen und aus Erfahrungen lernen.
  • Man lernt, effektiver auf Veränderungen im Umfeld zu reagieren.

Der richtige Einsatz von Planspielen


Damit Planspiele wirklich erfolgreich verlaufen, ist auf einiges zu achten. So ist es besser, die Simulation in kurzer Zeit (z. B. zwei Tage) zu blocken, anstatt diese auf einen längeren Zeitraum aufzuteilen. Die Teams sollten ähnlich leistungsstark sein, da nur dann eine herausfordernde Wettbewerbssituation herrschen kann. Insbesondere muss der Trainer mehrere Fachgebiete beherrschen (z. B. nicht nur Rechnungswesen und Bilanzierung, sondern auch Marketing und Sozialkompetenz).

Typische Zielgruppen

Unternehmensplanspiele richten sich meist an Führungskräfte sowie den Führungskräftenachwuchs. Besonders geeignet sind diese auch für Experten, die eine Karriere im Management anstreben.

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